„If“ – Rudyard Kipling

Übersetzung des Gedichtes „If“ von Rudyard Kipling aus dem Englischen ins Deutsche von Izzy Cartwell © 2009
Translation of Rudyard Kipling’s poem „If“ from English into German by Izzy Cartwell © 2009

Wenn du den Kopf behältst, falls sie dich rügen
Dafür, dass sie verlor’n ihr eig’nes Haupt,
Wenn alle zweifeln, lässt du dich nicht trügen,
Und gibst noch zu, ihr Zweifel sei erlaubt,

Wenn warten kannst du, ohne zu erlahmen,
Und Lug verdammst, auch wenn man dich belügt,
Wenn man dich hasst, du ablehnst, nachzuahmen,
Und wenn bescheid’ne Weisheit dir genügt,

Wenn deine kühnsten Träume dich nicht binden,
Wenn dein Gedanke nicht zum Selbstzweck wächst,
Wenn kannst du dich mit Sieg und Sturz abfinden,
Und beide Schwindler gleichermaßen deckst,

Wenn du erträgst das Wort, das du gesprochen,
Verzerrt vom Schuft, um Narr’n zu irritier’n,
Und einsteckst, wenn du siehst dein Werk zerbrochen,
Und baust es auf von vorn auf allen Vier’n,

Wenn du den ganzen Haufen an Gewinnen
Beim simplen Münzwurf zu verspiel’n riskierst,
Dabei bereit, von Null an zu beginnen,
Und nicht ein Wort über dein Pech verlierst,

Wenn Herz und Nerv und Sehne kannst du zwingen
Dir noch zu dienen, wenn sie längst verweht,
Damit du stehst, wenn Risse dich durchdringen,
Und bloß dein Wille ihnen vorschreibt: „Steht!“

Wenn du mit Sitte sprichst zu Menschenheeren,
Und vor dem König bleibst dem Volk loyal,
Wenn weder Feind noch Freund kann dich versehren,
Wenn man dich hoch schätzt, doch nicht kolossal,

Wenn du erfüllst die herzlose Minute
Mit tiefstem Sinn, empfange deinen Lohn:
Dein ist die Welt mit jedem Attribute,
Und mehr noch: dann bist du ein Mensch, mein Sohn!

13.09.2009

Originaltext „If“:

If you can keep your head when all about you
Are losing theirs and blaming it on you,
If you can trust yourself when all men doubt you,
But make allowance for their doubting too;

If you can wait and not be tired by waiting,
Or being lied about, don’t deal in lies,
Or being hated, don’t give way to hating,
And yet don’t look too good, nor talk too wise:

If you can dream – and not make dreams your master;
If you can think – and not make thoughts your aim;
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same;

If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build ‚em up with worn-out tools:

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings
And never breathe a word about your loss;

If you can force your heart and nerve and sinew
To serve your turn long after they are gone,
And so hold on when there is nothing in you
Except the Will which says to them: ‚Hold on!‘

If you can talk with crowds and keep your virtue,
Or walk with Kings – nor lose the common touch,
if neither foes nor loving friends can hurt you,
If all men count with you, but none too much;

If you can fill the unforgiving minute
With sixty seconds‘ worth of distance run,
Yours is the Earth and everything that’s in it,
And – which is more – you’ll be a Man, my son!